historischer Rückblick Holzschutzmethoden

Holzschutz-Methoden, Historischer Rückblick
(Auszug aus dem Buch "Holzschutz" von Dr. Josef Theo Hein)

Holz als einer der ältesten Baustoffe der Welt hatte schon eine lange, traditionsreiche Geschichte durchlebt, bevor der Mensch Steine und Metalle zu bearbeiten lernte.

In einem ägyptischen Wandfries von ca. 2.800 v. Chr. wurde bereits der Umgang mit Holz als Werkstoff und Baustoff dargestellt. Holz zeigte sich aber schon immer als ein vergänglicher Werkstoff, so dass es schon sehr früh Versuche gab, die Lebensdauer des Holzes zu verlängern.

Neben der speziellen Behandlung des Holzes wurden auch bestimmte konstruktive handwerkliche Schutzmaßnahmen entwickelt. Heute ist der Holzschutz viel mehr als der reine chemische Holzschutz: Er ist ein Bündel von zielgerichteten Maßnahmen – vor allem baulicher und physikalischer Art.

Die erste nachgewiesene Holzschutzmethode war das Ankohlen des Holzes bei erdberührenden Bauteilen, die bereits ca. 5.000 v. Chr. sehr erfolgreich praktiziert wurde. Die Arche Noah dürfte das erste Referenzobjekt gewesen sein, das mit Pech von innen und außen gestrichen wurde, um es abzudichten und vor Wasser zu schützen.

Die Chinesen lagerten das Holz bereits vor 2.000 Jahren vor der Verwendung über Jahre hinweg in Salzwasser ein. Dies war ein sehr effektiver Schutz und ist im Begriff „Salzen von Holz“ bis heute erhalten geblieben.

Alexander der Große ließ beim Bau von Hafenanlagen ölhaltige Flüssigkeiten einsetzen.

Plinius der Ältere empfahl eine Mixtur aus Olivenöl, Knoblauch und Salz – heute die ideale Gewürzmischung für die italienische Küche.

Im Mittelalter wurden Holzteeröle und Arsen verwendet. Alle diese Mittel hatten auch erhebliche Nachteile. Die Wirkungen waren nur oberflächlich und sie stanken dauerhaft. Die Anwendungen waren mühsam und ihre Wirkung begrenzt.

Durch den französischen Bakteriologen Louis Pasteur und die Entdeckung der Mikroorganismen 1887 wurde die Grundlage für die ersten wissenschaftlich fundierten Untersuchungen des Holzschutzes gelegt. So stand zuerst die Effizienz im Vordergrund, was zu einer Vielzahl von holzschützenden Chemikalien führte: Arsen, Kupfervitriol, Carbolineum, und Holzteeröle.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Forschung für organische Chemikalien gewaltig verstärkt – mit dem Ziel der chemischen Kriegsführung. Das große angehäufte Wissen sorgte seit den zweiten Weltkrieg für eine rasante Entwicklung der organischen, chemischen und synthetischen Wirkstoffe.

Ausgangspunkt war der Pflanzenschutz, um bei der Nahrungsmittelproduktion zu höheren Erträgen und besseren Qualitäten zu gelangen. So wurden seit den fünfziger Jahren viele Herbizide, Biozide und Insektizide durch die Großchemie entwickelt und erforscht. Mit der Technisierung in der Landwirtschaft stieg der Einsatz dieser Wirkstoffe drastisch.

Der Holzschutz wurde schließlich auf den chemischen Holzschutz reduziert und in großem Umfang im Innen- und Außenbereich angewendet.

Durch die ökologischen Bewegungen der siebziger Jahre beschleunigt, setzte ein Umdenkungsprozess ein, und neben der Effizienz wurden vermehrt die Auswirkungen auf Umwelt, Mensch und Tier erforscht.

Im Holzschutz war zu dieser Zeit immer noch die Effizienz ein wichtiger Maßstab. Durch die Unbekümmertheit der Verwender und den Boom von Holz als „natürlichem“ Wohnbaustoff wurden große Mengen farbiger Holzschutzmittel im Innenbereich verwendet. Aus Angst vor holzzerstörenden Insekten und Pilzen kamen Wirkstoffe wie PCP, Lindan, Permethrin und sogar DDT (in der DDR) zum Einsatz, die dann später zu den viel diskutierten gesundheitlichen Holzschutzproblemen führten. Eigentlich wollten die Verwender das Holz dekorativ gestalten und kauften sich durch die farbigen chemischen Vollschutzmittel Probleme ein, die den ökologischen Werkstoff Holz dann zu Sondermüll machten.

Neben den umstrittenen Vollschutzmitteln gab es zur damaligen Zeit schon farbige Holzlasuren, die kein PCP, Lindan oder Permethrin enthielten.

Wirksame chemische oder biologische Holzschutzmittel enthalten bioaktive Wirkstoffe, die das Wachstum von Organismen verhindern oder sie zerstören – sei es vorbeugend oder bekämpfend.

Biologisch wirksam heißt aber nicht, dass diese Stoffe für den Menschen immer giftig sind. Bereits Parazelsus erkannte: Alles ist Gift, allein die Dosis macht es. Die Toxizität gegenüber dem Menschen wird durch den LD 50- bzw. LC 50-Wert beschrieben. Diese Werte geben in mg/kg Körpergewicht die Toxizität durch Aufnahme wie Essen oder Einatmung an. Nicht messbar ist zur Zeit eine permanente, langzeitige Aufnahme über Jahre hinweg in niedrigsten Dosen. Die daraus resultierenden Effekte sind nicht so eindeutig, so dass zur Zeit ein Nachweis nicht mit absoluter Sicherheit geführt werden kann.

Deshalb hat sich insbesondere im chemischen Holzschutz für den Innenbereich in den letzten jahren ein gewaltiger Sinneswandel durchgesetzt, was zum vollständigen Verzicht auf chemische Holzschutzmittel im Innenbereich für nicht tragende Bauteile führte (Aufhebung des RAL-Gütezeichens für Holzschutzmittel im Innenbereich, freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie als Zwischenlösung bis zur Umsetzung der europäischen Biozid-Direktive in ein nationales Gesetz).